Gesucht wird ein #Motto für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 – aber bitte! — 1. Oktober 2017

Gesucht wird ein #Motto für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 – aber bitte!

Auf der Suche nach solch einer Leitidee oder einem Motto muss man erst einmal herausarbeiten, welche Funktion(en) sie oder es hat. Natürlich muss es kurz und eingängig sein, es muss im besten Fall Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abbilden, lokales Kolorit ausstrahlen, allgemein anerkannt sein und wenn es pfiffig wäre, wäre das dann noch das Sahnehäubchen obenauf. Als mir diese Überlegungen durch den Kopf gingen, hatte ich plötzlich ein Leitmotiv für die Bewerbung unserer Stadt zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 vor Augen:

KARL.MARX.STADT – Chemnitz 2025

Jetzt sind Sie erschrocken? Keine Bange, es ist nicht mein Ziel, für die „Zurückumbenennung“ der Stadt zu plädieren. Und um das zu belegen, schließe ich die Erklärung hier an.

KARL an sich ist nicht mehr und nicht weniger als ein Vorname; kein elitärer oder besonderer sondern vielmehr ein mehr als normaler. Insofern steht KARL dafür, dass sich mit dem Motto jeder angesprochen fühlen kann, jeder aufgerufen ist, sich mit der Idee der Kulturhauptstadt auseinander zu setzen, Impulse beizusteuern, so wie es bereits heute viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer tun…

MARX steht dafür, dass die Stadt tatsächlich eine ganze Zeit Karl-Marx-Stadt hieß, mannigfaltige Brüche erlebt hat und aus einer mehr als reich zu nennenden Industriekultur schöpfen kann. Ganz unabhängig davon steht MARX aber auch für Wissenschaft, die mit der Universität im heutigen Chemnitz fest verortet ist. Und MARX steht auch dafür, dass sich die Stadt ihrer Vergangenheit nicht zu schämem braucht.

Und STADT wiederum bezeichnet die Gesamtheit des städtischen Organismus, in dem sich Kultur als das vom Menschen Geschaffene verwirklichen kann. Es steht also stellvertretend für die Stadtgesellschaft, ohne die das Thema Kulturhauptstadt gar nicht umsetzbar wäre.

KARL, MARX und STADT sind wohlweislich durch Punkte getrennt, um eben nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, das Motto wolle plumpe Nostalgie bedienen. Betrachtet man das Motto als Ganzes wird auch deutlich, dass eine Entwicklung von Karl-Marx-Stadt nach Chemnitz stattgefunden hat, die es überhaupt erst ermöglicht, das Thema Kulturhauptstadt zu bespielen.

Ja und dann steht mit Chemnitz 2025 am Ende das große Ziel, Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 zu werden. Und? Was halten Sie von der Idee?

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Danke, Peter Härtling – oder wie ich zu seinen #Gedichten kam — 11. Juli 2017

Danke, Peter Härtling – oder wie ich zu seinen #Gedichten kam

Der in Chemnitz geborene Schriftsteller Peter Härtling ist am 10. Juli 2017 im Alter von 83 Jahren gestorben. Von dieser Welt gegangen ist aus meiner Sicht insbesondere ein großer Lyriker, zu dessen Gedichten ich aus folgendem Grund eine besondere Beziehung aufgebaut habe.

Wir schreiben das Jahr 2009. Die Stadt Chemnitz führt gerade den Slogan „Stadt der Moderne“ ein; eine Reihe flankierender Aktivitäten finden dazu an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Unter anderem wird auf dem Neumarkt ein sogenannter KUBUS (nicht mehr und nicht wneiger als ein begehbarer Ausstellungsraum) aufgebaut, der mit seinem Inhalt für den Slogan werben soll. In diesem KUBUS finden sich eine Menge Dinge, die mit Chemnitz zu tun haben – u. a. auch Härtlings Buch „Meine 75 Gedichte und zehn neue“. Ich bin sofort von dem Buch begeistert.

Das wiederum wird der mit der Kreation und Betreuung des KUBUS beauftragten Agentur gewahr, was diese wiederum veranlasst (um einem Dienbstahl meinerseits vorzubeugen?), mir das Buch im Nachhinein zu schenken.

Seitdem blättere ich ab und an in dem Büchlein, um so herrliche Gedichte wie dieses zu finden:

 

SÄTZE VOR DEM GEDICHT

                                                  Ich rufe die Wörter

                                                  zusammen

                                                  sie haben

                                                  kein Fell, kein Gefieder,

                                                  sie haben, wenn

                                                  sie sich im Rudel drängen

                                                  und auf mich warten,

                                                  nur eine dünne Haut,

                                                  die reißt und sie

                                                  bloßstellt,

                                                  sobald ich ungeduldig werde

                                                  und sie nicht streichle 

                                                  mit meiner Stimme.

 

Danke, Peter Härtling!

Neulich war ich in einer #Papeterie; leider hatten sie kein einziges #Tablet — 25. Juni 2017

Neulich war ich in einer #Papeterie; leider hatten sie kein einziges #Tablet

Dieser Aphorismus fiel mir ein, als ich kürzlich Götz Weigel in seiner Papeterie „HAAMIT“ (was ein Name) auf dem Chemnitzer Kaßberg einen Besuch abstattete, um für eine gute Freundin ein schönes Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Und mir fiel ein, dass es schade wäre, wenn diese von Haptik geradezu überbordenden Geschäfte eines Tages nicht mehr gebraucht würden. Ich jedenfalls will meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass dieser Fall nie eintreten möge.

Papeterie heißt Schreibwarenhandlung, der Wortstamm kommt offensichtlich aus dem Griechischen und das Ganze klingt ziemlich veraltet (Quelle, nein, nicht Wikipedia sondern ein in Leinen gebundener Duden aus dem biblische Zeiten zurückliegenden Jahr 1968).

Schreibwarenhandlung – in dem Wort steckt ja Schreiben und der Klang von Papeterie erinnert irgendwie an Papier. Und damit wären wir auch wirklich beim eigentlichen Thema: Die Papeterie „HAAMIT“ auf dem Kaßberg in Chemnitz lässt dem- oder derjenigen, der oder die noch so altmodisch ist, mit Schreibgeräten Papier zu beschriften, im wahrsten Sinne des Wortes die Augen übergehen.

Ganz gleich, ob man Freund von feinen Notizbüchern ist, besondere Schreibgeräte oder Behältnisse für diese bevorzugt, gern in sonstigen Schreibutensilien kramt, Fan alter Schreibmaschinen oder von Handdruckerpressen ist; dem haptisch Veranlagten werden die Augen übergehen. Dass man bei Götz auch noch einen Kaffee oder ein gut gekühltes Bier trinken kann, macht die Sache noch verlockender.

Für die gute Freundin habe ich dann zum Geburtstag ziemlich auserlesene Notizbücher besorgt; und mich selber habe ich auch belohnt, mit einem Büchlein, das mich an das Haushaltsbuch erinnert, das meine Mutter vor Jahren führte… Darin stehen jetzt schon ein paar Aphorismen, wie der, der diesem Beitrag seinen Titel geliehen hat.

Wie man auf #Krücken dirigiert oder #Chemnitz auf dem Weg zur Kulturhauptstadt – #Chemnitz2025 — 15. Juni 2017

Wie man auf #Krücken dirigiert oder #Chemnitz auf dem Weg zur Kulturhauptstadt – #Chemnitz2025

Eine fast bis auf den letzten Platz besetzte Stadthalle bei herrlichem Sommerwetter? Entweder, irgendetwas gibt es umsonst oder große Kultur (respektive Kunst) steht an. In jenem Fall, den ich schildern möchte, war zweiteres der Fall. Die Robert-Schumann-Philharmonie hatte nämlich zum Saisonabschluss zur „Russischen Galanacht“ mit Werken von Tschaikowsky, Borodin, Rimski-Korsakow und Modest Mussorgski (natürlich „Bilder einer Ausstellung“) eingeladen.

Und Felix Bender stand am Dirigentenpult; besser gesagt saß er dort, denn ein gebrochener Fuß führte dazu, dass er mit Krücken auf die Bühne gehumpelt kam und dann von einem Hocker aus sein Dirigat vollführte. Und das tat er so gut, dass das Publikum ihn und die Philharmonie am Ende mit Standing Ovations feierte.

Also ganz kurz auf den berühmten Punkt gebracht: Was die Hochkultur betrifft, wird es schon mal ganz schön schwer, Chemnitz als Europäisxche Kulturhauptstadt 2025 zu toppen. Na und an den anderen Themen arbeiten wir. Versprochen!

Der #Sonnenberg in #Chemnitz – ein Stadtteil mit Potential — 21. Mai 2017

Der #Sonnenberg in #Chemnitz – ein Stadtteil mit Potential

Zwei Dinge sind mir aufgefallen, als ich gestern Abend im Rahmen der Chemnitzer Museumsnacht über den Sonnenberg spaziert bin und die vielfältigen Angebote der dortigen Kultur- und Vereinsszene besuchen durfte; da ist zum einen die Tatsache, dass die im Rahmen des sogenannten besonderen Angebots dargebrachten Kleinode von unheimlich viel Liebe, Engagement und Verbundenheit zeugen und da ist zum anderen zu konstatieren, dass in diesem Sonnenberg tatsächlich Potential großen Ausmaßes schlummert.

Unser gestriger Weg führte uns vom Lokomov beginnend über das Nikola Tesla und den Nachbarschaftsgarten Zietenaugust die Zietenstraße bergan und fast in jedem zweiten Hof gab es etwas zu entdecken. Ganz gleich, ob es liebevoll eingerichtete Galerien waren, ob Liedermacher, Blogger oder Literaturfreaks ihr Können zum besten gaben, Kinder zum Mitbasteln oder Mitspielen eingeladen waren oder einfach nur ein kühles Bier (respektive Fassbrause) zum Genießen einluden: an alle und alles schien gedacht. Und die Menschen, mit denen wir sprachen, waren begeistert von diesem Sonnenberg – ganz gleich ob Besucher und in vermeintlich schickeren Stadtteilen zu Hause oder Akteure hier zwischen Augustusburger und Heinrich-Schütz-Str. Kaum zu ermessen, wie viel Mühe es macht, so ein Angebot auf die Beine zu stellen; und wie viel Mühe es macht, es auch außerhalb solcher Highlights wie Museumsnacht am Leben zu erhalten.

Gegen neun am Abend war die Zietenstraße so voll von Spaziergängern, wie es die Älteren wahrscheinlich noch aus DDR-Zeiten kennen. Nun, das wird sich nicht täglich wiederholen lassen aber im Hinblick auf die Bewerbung der Stadt Chemnitz um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 sollten die diesbezüglichen Organisatoren um den Sonnenberg keinesfalls einen Bogen machen. Das hieße nämlich, unheimlich viel Potential zu vergeuden; und wer will das schon!?

Wie man sich so fühlt als #Kulturbotschafter für #Chemnitz2025 — 14. Mai 2017

Wie man sich so fühlt als #Kulturbotschafter für #Chemnitz2025

Nein, wer annimmt, dass mit der Berufung zum Kulturbotschafter der Stadt Chemnitz im Bewerbungsverfahren zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 die Zuweisung eines Dienstwagens mit CD-Kennzeichen oder ein eigenes Büro mit personell reichhaltig ausgestattetem Sekretariat verbunden sind, hat sich wirklich getäuscht. Auch mit „Exzellenz“, der für Botschafter typischen Anrede, bin ich noch nicht begrüsst worden.

Und trotzdem ist es ein absolut tolles Gefühl, mit vier weiteren sympathischen Mitstreitern ab sofort den Prozess der Programmerarbeitung mit begleiten zu dürfen. Was ich mir persönlich dabei wünsche? Als erstes viele, viele gute Ideen aus Chemnitz und unserer Region. Und dann wünsche ich mir Durchhaltevermögen, denn so ein Programm erarbeitet sich nicht in sieben Tagen und wenn man manchmal länger nichts von der eigenen Idee hört, bedeutet das noch lange nicht, dass diese geerdet sein muss. Und dann wünsche ich mir, dass der Gedanke, Chemnitz könne das schaffen, sich viral verbreitet. Jeder, der von der Vision überzeugt ist, steckt bitte schnellstens drei Freunde/Bekannte/Kollegen an. Und jeder, der es nicht ist, hält sich bitte ein wenig zurück. Und können wir bitte in den nächsten Monaten endlich aufhören, vom Scheitern zu sprechen!

Chemnitz hat mit dieser Bewerbung die Chance, aus dem eigenen Schatten zu treten und sich nicht mehr selbst auf den Füßen zu stehen. Ist das nicht toll und die Mühe wert?!

Vom #Widerstand — 16. März 2017

Vom #Widerstand

Ich komme nicht umhin, dem heutigen Tag einen Text zu widmen, der mich voll und ganz in seinen Bann gezogen hat. Ich lese gerade „Zeichen ihrer Zeit“ (Diogenes Verlag Zürich 2012); ein Lesebuch mit Beiträgen von Marion Gräfin Dönhoff. Beginnend auf Seite 441 ist eine Rede zum Thema „Vom Ethos des Widerstands“ abgedruckt, die mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Die aus meiner Sicht wichtigsten Passagen will ich gerne hier exzerptieren.

Dönhoff vergleicht als erstes den Widerstand der Geschwister Scholl mit dem von Ulrike Meinhof und kommt zu dem Schluss, dass Meinhof sich nicht auf ein Widerstandsrecht berufen konnte, weil sie in einem funktionierenden Rechtsstaat lebte. Dann definiert sie Widerstandsrecht als „Recht sozialer Notwehr gegenüber einem Missbrauch durch die Staatsgewalt.“ Das Recht auf Widerstand sei auch erst dann gegeben, wenn alle legalen Mittel ausgeschöpft sind. Ein Wesensmerkmal des echten Widerstands ist nach Dönhoff, dass man sich eben nicht auf Institutionen verlassen kann; weder auf die Kirche, noch die Parteien, noch die Universitäten.

Ein weiterer interessanter Abschnitt widmet sich dem oft zitierten Thema der Befehlsgewalt. Hier resümiert der Beitrag, dass soldatischer Gehorsam durchaus seine Grenzen hat; am Wissen, am Gewissen und auch an ausgeübter Verantwortung. Widerstand an sich wird auch komplizierter, wenn das verbrecherische System von Erfolg zu Erfolg reitet. Sie zitiert in diesem Zusammenhang Kogon: „An den Missbrauch der Macht gewöhnt sich Mensch – wenn die Mitmenschen es zulassen – wie der Automobilist ans Schnellfahren.“ Deshalb, so schätzt Dönhoff ein, sind auch die Mitläufer gefährlicher, als die tatsächlich Radikalen.

Dann musste ich an 1989 in der DDR denken, als Dönhoff einschätzte: „Ein totalitäres System kann in Frieden nur von innen bekämpft werden;…“ Und am Ende des Beitrages findet sie Bestätigung bei Martin Luther, der Zivilcourage als politische Grundtugend forderte. Wie wahr!

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