Ganz privat und trotzdem am Abgrund zwischen #Freiheit und #Diktatur – am #Societätstheater in #Dresden wird der #Heiligabend zu einer beklemmend-gespenstischen Szene — 24. März 2019

Ganz privat und trotzdem am Abgrund zwischen #Freiheit und #Diktatur – am #Societätstheater in #Dresden wird der #Heiligabend zu einer beklemmend-gespenstischen Szene

Die Nüchternheit einer weiß gefliesten Verhörzelle, getaucht in grellweißes Licht. An Mobiliar nichts als zwei Plastikstühle und ein schmuckloser Tisch. Irgendwo läuten leise Glocken. Dass es Heiligabend ist, erfährt man später erst und nur aus den Dialogen. Um Mitternacht soll eine Bombe explodieren. Die Polizei hat eine Verdächtige, Judith, die Professorin für Philosophie mit eigenem Lehrstuhl, kurzerhand festgenommen. Thomas, der Polizist, hat die Chance, den Terror zu stoppen, wenn es ihm gelingt, in der verbleibenden kurzen Zeit herauszubekommen, wo die Bombe tickt. Judith hält das alles für einen Scherz, denn natürlich hat sie weder eine Bombe gebastelt noch sonstwelche umstürzlerischen Gedanken, auch wenn auf ihrem Rechner Texte mit zweifelhaftem Inhalt gefunden worden sind. Es entspannt sich eine Verhörszene, die alle Tiefen der menschlichen Psyche auslotet – und am Ende noch ein Stück weitergeht… Und noch bevor sich der Vorhang endgültig schließen wird, wird Judith ein Geständnis ablegen. Aber wird das heißen, dass sie tatsächlich einen Bombenanschlag vorhatte? Und wird das Geständnis Bestand haben?

Das Stück „Heilig Abend“ (man beachte, dass es eben nicht „Heiligabend“ heißt) ist von Daniel Kehlmann, den man ja vor allem als Autor von Bestsellern wie „Die Vermessung der Welt“ oder „Tyll“ kennt. Und mit diesem Stück trifft Kehlmann genau den Nerv der Zeit, wenn er Fragen stellt, die uns gegenwärtig alle umzutreiben scheinen. Wer bedroht wen? Ist unsere Freiheit in Gefahr und wenn ja, wie real ist diese Gefahr? Ja, und wem kann man überhaupt noch glauben? Kann man sich am Ende auch auf sich selbst nicht mehr verlassen?

Oda Pretzschner und Tim Mackenbrock spielen ihre Rollen souverän im Guttmann-Saal des Societätstheaters in der Nähe der Dreikönigskirche in der Dresdner Neustadt. Auf dem Weg von der Vorstellung wieder zurück zum Auto war es kühl geworden. Es fröstelte einen aber nicht nur deshalb.

Foto: Christiane Michel

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Warum wir uns nicht darin beirren lassen sollten, unsere #Sprache zu pflegen — 17. März 2019

Warum wir uns nicht darin beirren lassen sollten, unsere #Sprache zu pflegen

Vor kurzem wurde ich durch ein Feature im Deutschlandfunk aufmerksam auf ein philosophisches Buch: „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger. Im Untertitel heißt es „Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929“. Da mich philosophische Fragen interessieren und das Buch, so man dem Beitrag im Radio Glauben schenken konnte, in eingänglich verständlicher Sprache geschrieben war, was nichts anderes heißt, als dass man es verstehen konnte, auch ohne Philosophie studiert zu haben, entschloss ich mich zur Lektüre. Der Entschluss sollte sich als goldrichtig erweisen, denn das Buch stellte sich als eine wahre Fundgrube an Wissen über eine Zeit heraus, die nun schon so weit zurückzuliegen scheint und dennoch die Welt der Philosophie nicht weniger geprägt zu haben scheint wie Einsteins Relativitätstheorie die Welt der Astrophysik (die nebenbei bemerkt für mich durchaus der Philosophie zuzuordnen ist).

Der Inhalt des Buches widmet sich vier herausragenden Philosophen jener Zeit: Heidegger, Wittgenstein, Benjamin und Cassirer. Alles beginnt damit, dass Ludwig Wittgenstein im ehrwürdigen Cambrigde sein bereits veröffentlichtes Werk „Tractatus logico-philosophicus“ (Logisch-philosophische Abhandlung) in Ermanglung einer „richtigen“ Doktorarbeit bei Bertrand Russell und George Edward Moore, zwei bedeutenden Philosophen jener Zeit, einreicht. Und er tut dies mit den Worten: „Macht euch nichts draus, ich weiß, ihr werdet das nie verstehen.“

Allein dieses erste Kapitel hatte mich neugierig gemacht. Was konnte das sein, das zwei herausragende Philosophen nach der Meinung Wittgensteins nicht in der Lage wären zu verstehen? Ich suchte nach dem Traktat und fand eine wunderbar erhaltene Suhrkamp-Ausgabe von 1963. Wenige Tage später lag es vor mir, das schmale in leuchtendes Rot gewandete Bändchen der Edition Suhrkamp; nur reichlich über hundert Seiten, der Satzspiegel durch eine aufwändige Nummerierung auf wenige Zeichen pro Zeile eingeengt.

Ich blätterte. Nach dem Vorwort beginnt der Text mit der Zeile „Die Welt ist alles, was der Fall ist“. Und wenig später: „Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, daß es alle Tatsachen sind“. Ich lese weiter: „Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke“. Ich bleibe bei diesem Satz hängen. DAS LOGISCHE BILD DER TATSACHEN IST DER GEDANKE. Ich kann das Buch jetzt nicht mehr beiseite legen. Auf Seite 20 finde ich: „Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus“. Auch darüber denke ich lange nach, bis sich mir ganz plötzlich ein Aha-Erlebnis eröffnet, als hätte ich die Quadratur des Kreises entdeckt. Natürlich: Unser Denken ist auf engste Weise mit unserer Sprache verknüpft. Wir denken in Sprache. Alle Gegenstände, alle Tätigkeiten, alle Gefühle, alle Meinungen… sind wir nur in der Lage zu denken, weil wir eine Sprache haben, die all diesen Tatsachen einen Begriff zugeordnet hat. Wenn ich das Wort Stuhl sage, wissen alle, die meine Sprache sprechen, was ich meine, auch wenn wohl jeder eine andere Art von Stuhl vor seinem gedanklichen Auge hat. Und weiter bei Wittgenstein: „Der Gedanke ist der sinnvolle Satz“.

Wenn nun aber, geht es mir durch den Kopf, Grundlage eines jeden Gedankens die sinnvolle Verknüpfung von Worten zu sinnvoller Sprache ist, dann ist es mehr als notwendig, die Sinnhaftigkeit der Sprache und den Umgang mit ihr zu pflegen. Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Beginnen wir gerne mit Orthografie und Grammatik. Da ich beruflich jeden Tag mit den unterschiedlichsten Texten konfrontiert werde, bilde ich mir ein einschätzen zu können, wohin sich die „allgemeine Qualität“ in den vergangenen Jahren entwickelt hat – unterste Schublade ist gelinde gesagt noch positiv ausgedrückt. Selbst Universitätsabsolventen aus vermeintlich philosophischen Fachrichtungen wie Politikwissenschaft oder Soziologie sind häufig nicht in der Lage, einen etwas komplizierteren Sachverhalt fehlerfrei den Regeln der deutschen Rechtschreibung folgend aufs Papier zu bannen. Von der Interpunktion wollen wir an dieser Stelle lieber gleich schweigen. Auch die logische Aufeinanderfolge von sich bedingenden Argumenten im Diskurs einer Gedankenkette scheint eine hohe Kunst zu sein, die vom Aussterben bedroht zu sein scheint. Blickt man sich dann noch in den mannigfaltig bespielten Social-Media-Kanälen um, wird der Verfall der Sprache sozusagen standardisiert; wer sich bemüht, dort fehlerfrei zu kommunizieren, muss sich gegebenenfalls sogar den Vorwurf gefallen lassen, Social Media eben „nicht verstanden zu haben“.

Nun soll der vorstehende Text keinesfalls eine Generalabrechnung mit der Schule, dem Elternhaus oder der Universität und Hochschule sein. Aber eine beängstigende Tendenz scheint sich da schon anzudeuten. Denn am Ende stellt sich doch folgende Frage: Wie will jemand in logischen Zusammenhängen denken, wenn er nicht in der Lage ist, in logischen Zusammenhängen zu sprechen? Eine weiter zunehmende Verflachung des Umgangs mit unserer Sprache dürfte mittelfristig nicht geeignet sein, die großen Zusammenhänge dieser unserer Zeit noch verstehen zu können. Denn wenn man es auf den Punkt bringt, trifft doch Folgendes zu: So wie einer spricht, denkt er auch. Na da kann einem schon angst und bange werden…

Ohne #Kino – zum Beispiel im Sommer – ist #Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 gar nicht zu denken (#Kalenderwoche7) — 19. Februar 2018

Ohne #Kino – zum Beispiel im Sommer – ist #Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 gar nicht zu denken (#Kalenderwoche7)

In Kalenderwoche 7 waren wir wieder einmal im Kino, was die Wahrheit nicht ganz wiedergibt, denn seit wir großzügig vor nunmehr drei und einem halben Jahr auf den Besitz eines Fernsehgeräts verzichten, sind wir häufiger im Kino als beim Frisör; mindestens wöchentlich.
Und da wir, was Kino betrifft, eher auf Programmkino als auf Blockbuster stehen, haben wir eine ganze Menge Kinos auch außerhalb von Chemnitz kennengelernt: in Leipzig und Dresden, Gera und Aue, Limbach-Oberfrohna und Zwickau.
In Kalenderwoche 7 zum Beispiel waren wir in „Wind River“, einem bewegenden Film aus den USA, übrigens vom selben Regisseur wie „Hell Or High Water“. Und wer den gesehen hat, dem hat es ganz gewiss den Atem verschlagen.
In der Küche haben wir einen Merkzettel aufgehängt, auf dem die für uns interessanten kommenden Filme stehen. In den nächsten Wochen werden wir also mit großer Sicherheit „Die Verlegerin“, „Unsere Erde (II)“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Das Flüstern des Wassers“ schauen.
Schließlich geht es ja auch darum, für die Filmnächte auf dem Theaterplatz im Programmbeirat wieder für ein paar besonders gute Filme kräftig die Werbetrommel zu rühren. Denn wir sind uns sicher: Der Sommer und damit auch tolles Sommerkino in Chemnitz werden uns auch in diesem Jahr nicht enttäuschen.

In #Kalenderwoche_6 lesen wir, wie man Straßen fegt und trotzdem oder gerade #Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 werden kann — 11. Februar 2018

In #Kalenderwoche_6 lesen wir, wie man Straßen fegt und trotzdem oder gerade #Kulturhauptstadt #Chemnitz2025 werden kann

Die sechste Kalenderwoche des Jahres war vom 6. Sinfoniekonzert der Saison geprägt. Die Robert-Schumann-Philharmonie hatte zu den Besen gegriffen und mit unter anderem „Bolero“ von Ravel und „Ein Amerikaner in Paris“ von Gershwin die Straßen leergefegt. Für die jüngeren Leser an der Stelle noch eine Erklärung. Früher, als man lediglich zwei oder drei Fernsehprogramme sein eigen nannte, gab es Filme oder Serien, die die Hälfte der deutschen Bevölkerung vor die Flimmerkiste lockte (die andere Hälfte saß am Stammtisch oder lag im Bett); die Straßen waren eben wie leergefegt.
Nun sind das leider manchmal die Straßen im abendlichen Chemnitz auch und nur in den seltensten Fällen ist die Robert-Schumann-Philharmonie schuld. Aber das ist ein anderes und später zu behandelndes Thema.
In der vergangenen Woche jedenfalls war die Stadthalle bis auf wenige Plätze gefüllt; Straßenfeger-Programm eben!
Wenn man dann allerdings in das weite Rund der Sitzreihen blickt, ist es schon bedenklich, wie wenige eher jüngere Menschen der klassischen Musik etwas abzugewinnen scheinen. Da war es ein Lichtblick, dass eine ganze Reihe von Studenten die Chance ergriffen hatte, sich mit dem für sie kostenlosen Kulturticket (Karten, die eine Viertelstunde vor Beginn noch nicht verkauft sind, erhalten Studenten der TU Chemnitz kostenlos) zu versorgen und den eingängigen Melodien zu lauschen.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Mit Bonbonpapier wurde auch geraschelt; das waren nicht die Studenten. Das Geräusch kam von dem Rentnerehepaar neben uns.

In #Kalenderwoche_5 narratieren wir eine ganz besondere #Geschichte zu #Chemnitz2025 — 3. Februar 2018

In #Kalenderwoche_5 narratieren wir eine ganz besondere #Geschichte zu #Chemnitz2025

Was man nicht alles suchen kann: Brille, Schlüsselbund und Sinn des Lebens sucht man fast täglich oder zumindest mehrmals in der Woche. Den Weg nach Hause sucht man, wenn man in der Lieblingskneipe zu tief ins Glas geschaut hat und das Haar in der Suppe sucht man meistens dann, wenn man eigentlich neidlos anerkennen müsste, dass man selbst solch schmackhafte Suppe gar nicht hinbekommen hätte.
Neuerdings scheint man – so höre ich immer wieder – nach etwas ganz Besonderem zu suchen: nach einem Narrativ! Sollten Sie jetzt insgeheim „Hä?“ gedacht oder gesagt haben, dann müssen Sie sich nicht schämen; ging mir bis vor kurzem noch genauso.
Da ich noch einen gedruckten (!) und in Leinen gebundenen (!) Duden (das ist kein Fremdwort, sondern der Eigenname für den Katalog der deutschen Rechtschreibung) aus 1968 (!) besitze, habe ich als erstes dort nachgeschaut.
Irgendwo zwischen Narkose und nasal hätte es ja stehen müssen, wenn man das Wort 1968 schon für Wert befunden hätte, in die deutsche Rechtschreibung aufgenommen zu werden. Stand aber nicht da.
Gut, wir leben nicht mehr in 1968, also lenken wir den Blick in Richtung Neuland – ins Internet. Bei Wikipedia kann man als erstes erfahren, dass Narrativ sowohl in der Grammatik (Kasus oder Modus) als auch in den Sozialwissenschaften mit Inhalten besetzt ist. In den Sozialwissenschaften bezeichnet es ein sinnstiftendes Erzählmotiv, das in einem Kulturkreis oder einer gesellschaftlichen Gruppe Orientierung vermittelt. Wenn man es also weiß, ist es gar nicht mehr so schlimm. Soweit, so gut, aber täten es nicht auch Begriffe wie Geschichte oder Erzählung?
Wenn wir nämlich die breite Masse der Bevölkerung mit unseren Ideen zum Thema Kulturhauptstadt ansprechen wollen, sollten wir doch wohl eher fesselnde Geschichten als Narrative suchen.
Sonst narratieren wir irgendwann in unserem Elfenbeinturm einsam vor uns hin…

Die stürmische #Kalenderwoche_3 und was sonst noch in Bezug auf das Stadtjubiläum #875Jahre zu sagen wäre — 20. Januar 2018

Die stürmische #Kalenderwoche_3 und was sonst noch in Bezug auf das Stadtjubiläum #875Jahre zu sagen wäre

In der Kalenderwoche 3 wurde es stürmisch. Friederike, ein garstiges Orkantief, hatte für einige Stunden Deutschland voll im Griff, was man in Bezug auf politische Sondierungs- und Koalitionsbestrebungen kaum Akteuren aktuell zugestehen kann. Bei Twitter las ich in etwa: Jetzt warnt der Deutsche Wetterdienst schon vor meiner Ex; Friederike!

Auf unser Chemnitzer Stadtjubiläum hatte die Ex von wem auch immer gottseidank keine Auswirkungen. Aber ich bin an anderer Stelle fündig geworden. Da gibt es zum Beispiel einen Verein der Gästeführer Chemnitz (http://chemnitz.guide/projekte/875-jahre-chemnitz-feiert/). Der wiederum hat sich für das Stadtjubiläum etwas Nettes einfallen lassen. Die Vereinsmitglieder schenken der Jubiläumsstadt zwölf thematische Stadtführungen für jedermann; und was das beste ist: Die Führungen sind kostenlos.

Hier ein kleiner thematischer Überblick:

10. Februar 2018: Musikalisches Chemnitz
14. April 2018: Von der Lateinschule zur Universität
15. Juni 2018: Ein Vulkan wird zur Brücke
10. November 2018: Hartmann – eine Familie, die Chemnitz prägte

Na, neugierig geworden?

Bleibt zu hoffen, dass viele Chemnitzer davon Gebrauch machen und das es nicht allzu sehr stürmt.

#ModernArt – ganz aus Versehen oder vom Reiz des Zufälligen — 14. Januar 2018

#ModernArt – ganz aus Versehen oder vom Reiz des Zufälligen

Früher fotografierte man analog. Man legte einen Film in einen Fotoapparat, möglichst so, dass er nicht schon beim Einlegen belichtet wurde, dann schloss man sorgfältig die hintere Abdeckung der Kamera, spulte mechanisch zwei oder drei Bilder nach vorn, stellte die Lichtempfindlichkeit des eingelegten Films ein und konnte auf Motivsuche gehen. Fotografieren war etwas durchaus Spannendes. Die Spannung ergab sich aus der Tatsache, dass der eigentliche Akt des Fotografierens zeitlich gefühlt unendlich lange getrennt war von dem Zeitpunkt der Betrachtung des Ergebnisses. Das hing damit zusammen, dass es keine Möglichkeit gab, einfach mal schnell zu schauen, welches Ergebnis der Schnappschuss von eben wohl gezeitigt haben mochte. Sechsunddreißig Bilder mussten „verschossen“ werden und dann würde der Film zum Entwickeln und Abziehen gebracht und dann fand man in der ORWO-Tüte, die man nach zehn oder zwölf Tagen in der Drogerie wieder abholte, das Ergebnis; mal mehr, mal weniger wertvoll.
Viele künstlerisch tätige Fotografen haben auch zu Zeiten, in denen sich der Farbfilm längst durchgesetzt hatte, weiter in schwarz-weiß fotografiert. Denn Bilder in schwarz-weiß haben durchaus etwas Besonderes; keine Farbe lenkt ab, die Konturen sind oft prägnanter und der Bildinhalt wird plakativer. Aber natürlich mussten auch Profis viele hundert Bilder schießen, um einen richtigen Volltreffer zu landen. Ich glaube, mich an eine Ausstellung erinnern zu können, die nicht die Top-Motive, sondern die eher misslungenen Bilder zum Inhalt hatte.
Warum ich das sage? Vor kurzem war ich wieder einmal zu einem Tagesausflug in einer Stadt. Ich hatte keinen rechten Plan sondern ließ mich einfach treiben: mal hier, mal da… Natürlich schoss ich mit meinem Handy das eine oder andere Foto. Irgendwie musste ich unaufmerksam gewesen sein, denn ich hatte wahrscheinlich die Kamera-App nicht wieder ordentlich beendet und war darüber hinaus auch noch unbeabsichtigt immer mal wieder auf den Auslöser gekommen. Kein Problem, dachte ich, denn die missglückten Bilder sind ja einfach zu löschen. Gerade wollte ich mit dem Löschen beginnen, da stutzte ich, denn bei einigen dieser gar nicht gewollten Aufnahmen waren Motive dabei, die durchaus ihren Reiz hatten. Vielleicht, so meine Idee, sollte man mal eine Ausstellung mit genau solchen Bildern machen – sozusagen „Modern Art aus Versehen“.

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