Was durch #Digitalisierung verloren geht, weil man sie so schlecht „anfassen“ kann — 3. September 2020

Was durch #Digitalisierung verloren geht, weil man sie so schlecht „anfassen“ kann

Eines der für mich persönlich schönsten Geschenke zu meinem 50. Geburtstag hat mir meine Schwester gemacht: ein Fotoalbum. Es handelt sich um ein handelsübliches Album mit Steckplätzen für die Fotos, die meine Schwester gemeinsam mit meinem Schwager aus einem reichen Fundus, auf den die Familie zurückblicken kann, ausgesucht, analog kopiert und eingeordnet hat. Die Fotos zeigen sowohl meine Großeltern als auch meine Eltern, unser damaliges Wohnumfeld, mich und meine Geschwister in fast allen Altersstufen… Noch heute, also ein reichliches Jahrzehnt nach meinem 50. Geburtstag, greife ich ab und an zu dem Fotoalbum und versinke regelrecht darin.

Hätte meine Schwester mir eine ähnliche oder gleiche Freude bereitet, wenn sie mir zum Beispiel einen Stick mit vielleicht zwanzigmal mehr Bildern in fünfzig verschiedenen Ordnern geschenkt hätte? Ich wage dies zu bezweifeln, denn für mich besteht der Wert des Geschenkes in der Symbiose der Erinnerung an mein bisheriges Leben mit all den Menschen, die dazugehören, gekoppelt mit der rein haptischen Erfahrung des Blätterns, Vor- und Zurückschlagens und dem Gefühl, das Gewicht des auf dem Schoß liegenden Albums zu spüren.

Ich bin davon überzeugt, dass heute mit den modernen Smartphones tausend mal mehr Fotos geschossen werden, als noch im analogen Zeitalter des Kleinbildfilmes. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, denn ehe man den Auslöser der Spiegelreflexkamera (oder auch eines einfacheren Gerätes) betätigte, hatte man schon richtig zu arbeiten gehabt: Film kaufen und einlegen, Motiv sorgsam auswählen, Blende und Belichtungszeit ermitteln und einstellen und dann fotografieren… um dann auch noch tage- oder wochenlang mit der Ungewissheit zu leben, ob das Bild überhaupt etwas taugen würde, denn das Ergebnis sah man ja erst, wenn man die Bilder vom Entwickeln aus der Drogerie holte.

Da ist die digitale Fotografie doch regelrecht ein Kinderspiel. Aber wie viele der jemals „digital geschossenen“ Bilder haben heute schon die Chance, mehr als einmal kurz angeschaut zu werden? Ein sehr, sehr hoher Prozentsatz dürfte ein trostloses Dasein auf Speichermedien führen, ohne je wieder in irgendeinem Auge irgendeines Betrachters Emotionen auslösen zu können.

Und das Fotografieren dürfte nur ein Beispiel sein, bei dem fehlende Haptik dafür sorgt, dass tatsächliche Resonanzerlebnisse beim Rezipienten im rein digitalen Bereich eben eher ausbleiben. Beispiele? Gern doch. Ich zum Beispiel stelle einen riesigen Unterschied darin fest, ob ich einen Zeitungsartikel am Bildschirm lese oder das frisch bedruckte Zeitungspapier zwischen den Fingern raschelt (das ganze gern auch begleitet vom Duft frischen Kaffees). Und über eine Urlaubskarte oder gar einen netten Brief im Briefkasten freue ich mich im Regelfall deutlich mehr als über eine Mail oder eine Bildnachricht per WhatsApp – auch bei identischem Inhalt. Genau so wenig konnte ich mich bisher daran gewöhnen, Bücher nicht analog, also durch das Blättern der Papierseiten von rechts nach links, zu lesen. Und ein Zoom-Meeting mag dem Informationsaustausch in ausreichendem Maße genügen, ein Spirit wie in einem Beratungsraum, wenn vielleicht „die Köpfe rauchen“, kann gar nicht entstehen.

Dies alles heißt natürlich nicht, auf Digitalisierung verzichten zu wollen. Dafür hat sie viel zu viele Vorteile und wer sich grundhaft widersetzt, sich in der digitalen Welt zu bewegen, klinkt sich sukzessive aus der Welt der Informationsübertragung und damit Wissensvermittlung aus.

Aber wie so häufig im Leben besteht ja die Möglichkeit, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. So, und jetzt blättere ich noch etwas in meinem Fotoalbum…

In der #Krise mal wieder im #Bücherschrank stöbern… — 26. März 2020

In der #Krise mal wieder im #Bücherschrank stöbern…

Solche Krisen wie die, in der wir uns gegenwärtig befinden, bieten auch Chancen. Ja, natürlich ist das ein Allgemeinplatz, den man jetzt überall hört, aber ich kann mit einem konkreten Beispiel aufwarten.
In meinem Bücherschrank befinden sich sieben Bände „Bildende Kunst“. Dem Leser, der erst nach dem Ende der DDR geboren oder bewusst erwachsen geworden ist bzw. der sich für Kunstpublikationen in der DDR wenig oder nicht interessiert hat, schulde ich an dieser Stelle die eine oder andere Erklärung.
„Bildende Kunst“ war eine monatlich erscheinende Zeitschrift in der DDR. Ihr breit gefächerter aber immer an Themen der bildenden Kunst orientierter Inhalt hatte zuallererst die Kunstszene der DDR im Blick, wandte den Blick aber auch in das sozialistische Ausland und auch gen Westen; nach meiner Einschätzung vorzugsweise in die BRD.
Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, wieso ich von sieben Bänden der Zeitschrift spreche, wo doch das einzelne Exemplar knapp fünfzig Seiten umfasste. Nun, dazu muss ich doch etwas weiter ausholen. Ich erinnere mich noch, dass ich Mitte der achtziger Jahre im damaligen Karl-Marx-Stadt zu arbeiten anfing. Wenn ich in die Stadt wollte, fuhr ich mit der Straßenbahn und eingestiegen bin ich oft an der Haltestelle Tschaikowskistraße. An dieser befand sich damals noch ein gut frequentierter Zeitungskiosk des Postzeitungsvertriebes der DDR. Ab und an kaufte ich beim Warten auf die Straßenbahn eine Zeitung oder Zeitschrift und einmal muss ich wohl auch eine Ausgabe der „Bildenden Kunst“ dort liegen gesehen haben. Natürlich kaufte ich sie (der Preis von 2,50 Mark der DDR erschien mir für das aufwändig gestaltete Magazin nicht zu teuer).
Im nächsten Monat fragte ich dann, ob denn die nächste Ausgabe schon zu haben sei. Die freundliche Dame im Inneren des Kioskes spürte wohl mein Interesse: „Wenn Sie wollen, junger Mann, lege ich Ihnen gern ein Exemplar beiseite; ich bekomme zwei, da tu‘ ich eins für Sie weg.“ Ich wollte, was dazu führte, dass ich von Mitte 1985 bis Ende 1988 sämtliche Ausgaben erstand. (Warum ich keine weiteren Exemplare erstanden habe, ist mir heute nicht mehr erinnerlich.)
Einen halben Jahrgang 1985 und die gesamten Jahrgänge 1986, 1987 und 1987 nannte ich nun mein eigen. Insgesamt waren das also 42 einzelne Hefte; und keine Fehlstelle dazwischen. Warum genau weiß ich nicht mehr aber ich fasste den Entschluss, die Hefte halbjahresweise binden zu lassen. Auf dem Chemnitzer Sonnenberg fand sich dazu eine Buchbinderei, die es wohl heute noch gibt, die mir die 42 Ausgaben in insgesamt sieben handliche Einzelbände band.
Jetzt, unter den Einschränkungen der Freizügigkeit, habe ich wieder einmal in den einen oder anderen Band geschaut. Und ich muss sagen, dass es tatsächlich ein Schatz ist, den ich da mein eigen nennen kann. Vielleicht bleibt ja Zeit, den einen oder anderen Beitrag gelegentlich in diesem Blog etwas näher zu betrachten. Also bitte, gespannt bleiben!

Wie das #Virus sich auf einen #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 12 — 19. März 2020

Wie das #Virus sich auf einen #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 12

Eigentlich wollte ich den täglichen Reigen der Schilderung meiner Erlebnisse einer Urlaubsreise ins Ausland in Krisenzeiten mit Teil 11 beenden, denn ich bin ja wieder in Deutschland. Nun gibt es Grund, das Wörtchen „eigentlich“ ganz dick zu unterstreichen. Soeben erhielt ich nämlich eine Mail von meinem Reiseveranstalter, die ungefähr folgenden Inhalt hat (sinngemäß): Die Bundesregierung und alle staatlichen Stellen werden dafür Sorge tragen, dass alle deutschen Urlauber, die sich noch im Ausland befinden, wohlbehalten nach Deutschland zurückgebracht werden. Von privaten Bemühungen, sich Flüge zu verschaffen, möge man bitte absehen. Und jetzt kommt’s: Man habe nämlich festgestellt, dass vermehrt in den Hotels Reisevermittler auftreten, die – natürlich nicht kostenlos – Rückflüge nach Deutschland anbieten. Mein Fazit: Ich bin schon immer (vielleicht weil ich ihn aus der DDR nicht kannte) ein Freund des Marktes gewesen. Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise und verschiedene Marktteilnehmer bieten ihre Produkte an, aus denen man wählen kann. Der Konsument richtet sich nach seinen Bedürfnissen, seinen Gewohnheiten und seinem Geldbeutel. Die missliche Lage von festsitzenden Urlaubern allerdings auszunutzen und so zu tun, als wenn es das „freie Spiel der Marktkräfte“ wäre, ist schon perfide. Kein weiterer Kommentar!

Wie das #Virus sich auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 11 —

Wie das #Virus sich auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 11

Mit diesem schicken Flugzeug bin ich dann also gestern Nachmittag von Gran Canaria wieder nach Hause geflogen und ich gebe an dieser Stelle ehrlich zu, dass es ein schönes Gefühl war, nach der Ankunft in Leipzig wieder heimischen Boden unter den Füßen zu spüren. Das Passagieraufkommen auf dem Flughafen auf der Insel war übrigens gigantisch. Das hat dazu geführt, dass das Boarding ewig lange gedauert hat und wir mit fast einer Stunde Verspätung gestartet sind – ist jetzt alles egal; zu Hause ist zu Hause.
Am letzten Abend im Hotel wurde es noch einmal richtig interessant, was aber nicht am Hotel lag. Das Auswärtige Amt hatte nämlich eine neuerliche Reisewarnung herausgegeben und gleichzeitig angekündigt, ein großangelegtes Rückholprogramm für Deutsche, die sich noch im Ausland befinden, aufzulegen.
Darüber klärte mich in einer Mail mein Reiseveranstalter auf. Gleichzeitig forderte er uns auf, uns in eine Liste des Auswärtigen Amtes einzutragen; die Adresse der Website war anbei. Die Liste, so las ich weiter, diente der Registrierung von deutschen Bürgern, die sich im Ausland aufhalten und soll helfen, bei Rückholprogrammen niemanden stranden zu lassen. Bevor man sich eintragen konnte, musste man sich registrieren. Nun war für mich guter Rat teuer. Ich wusste ja, dass am kommenden Tag, also gestern, mein Flug gehen sollte. Was soll ich mich da erst registrieren. Andererseits bin ich, was staatliche Verfügungen betrifft (mal das Straßenverkehrsrecht und hier insbesondere die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten nicht ganz so restriktiv betrachtet) ziemlich obrigkeitshörig. Also versuchte ich die Registrierung aber (ich bin darüber heute nicht mehr böse) sie schlug fehl, weil die Website dauerhaft so gut wie nicht erreichbar gewesen ist. Wahrscheinlich haben an dem Abend abertausende deutsche Staatsbürger aus aller Welt versucht, sich zu registrieren…
Gestern beim Auschecken aus dem Hotel hat man deutlich gemerkt, dass das auch für die Angestellten eine komplizierte Situation ist. Am Morgen zum Beispiel wurden die bisher am Pool nur zusammengestellten Liegen und Auflagen dann sogar weggeräumt – Ende der Saison, jedenfalls für einen offensichtlich längeren Zeitraum. Und das Mitte März, wo die Saison eigentlich erst richtig beginnt. Über die wirtschaftlichen Folgen und auch die Einzelschicksale bezüglich der ansonsten ja sicheren Arbeitsplätze will man gar nicht nachdenken.
Jetzt bin ich also wieder in Deutschland und werde versuchen, meine Kontakte in der nächsten Zeit so gut wie möglich einzuschränken. Was ich diesbezüglich auf dem Flughafen von Gran Canaria erlebt habe, spottet jeder Beschreibung. Ich habe mir zwar permanent die Hände gewaschen aber es waren so viele Menschen auf einem Fleck… Na und die Enge, die in einem Flugzeug herrscht, kennt man ja zur Genüge.
Was bleibt als Fazit? Deutschland, Europa und weite Teile der Welt befinden sich in einer Situation, die ich in dieser Weise bisher noch nicht erlebt habe. Die Verantwortlichen auf allen Organisationsebenen treffen die notwendigen Entscheidungen, um eine weitere Ausbreitung des Virus nach Möglichkeit zu verhindern. Alle, die heute schon über die Angemessenheit dieser Entscheidungen Bescheid wissen oder so tun, sollten erst einmal abwarten, wie die ganze Geschichte ausgeht. Aber auch, wenn im Nachgang die eine oder andere Maßnahme als unangemessen empfunden worden ist: Wer maßt sich an zu wissen, wie man mit einem solchen Virus und vor allem seiner Verbreitung umgeht?
Ich habe eine wahrscheinlich entscheidende Etappe im Kampf gegen das Virus auf einer spanischen Urlaubsinsel erlebt und kann aus eigenem Erleben einschätzen, dass der Kampf gegen das Virus in Spanien genauso ernst genommen wird, wie man das zum Beispiel aus Deutschland gewohnt ist. Wenn Globalisierung lange Zeit als Zauberwort galt, sieht man heute, welche Gefahren sie auch birgt. Daraus sollten wir lernen…

Wie sich das #Virus auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 10 — 18. März 2020

Wie sich das #Virus auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 10

Dieses Bild bedarf keinen Kommentars! Nach aller Voraussicht werde ich in wenigen Minuten in der Maschine sitzen, die als Condor DE1463 in Richtung Leipzig abheben wird. Einiges hat sich seit dem gestrigen Eintrag mit Nr. 9 noch ereignet aber darüber will ich gern von zu Hause aus in Ruhe und ausführlicher berichten. Nun wünsche ich mir erst einmal einen ruhigen und angenehmen Flug. Wäre nett, wenn ihr mir den auch wünschen würdet… Danke und wie gesagt bis bald…

Wie sich das #Virus auf einen #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 9 — 17. März 2020

Wie sich das #Virus auf einen #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 9

Aus Deutschland höre ich gerade, das Klopapier würde knapp, wobei das ja nicht ganz stimmt; ich gehe davon aus, dass die Produktion ganz normal weiterläuft. Knapp wird es also nur in den Supermärkten. Dass das an Peinlichkeit nicht zu übertreffen ist, soll mein einziger diesbezüglicher Kommentar sein und bleiben. Ach noch etwas: Die beiden abgebildeten Rollen werde ich definitiv im Hotel lassen, versprochen!
Womit wir beim Thema wären: Hotel. Der heutige Tag war gelinde gesagt ziemlich dröge und konturlos. Der Blick in die Gesichter der noch verbliebenen Hotelgäste sagt alles. Die Situation nervt die meisten. Einige spielen Karten, ein paar würfeln, einige lesen; Bier wird auch getrunken aber Bewegung ist eben absolute Fehlanzeige. Dafür wird nach meinem Dafürhalten überreichlich gegessen. Bei einigen frage ich mich, wo sie das alles hinessen (dann schaue ich hin und frage mich nicht mehr).
Die Vorkehrungen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, sind jetzt auch hier allerorten sicht- und spürbar. Großen Schutz – und das ist gut – genießen auch die Servicepersonale. Am Tresen im Außenbereich muss man jetzt beim Bestellen eines Getränkes einen deutlich Abstand zum Keeper halten.
Natürlich checke ich regelmäßig weiter die Homepages des Leipziger Flughafens und von Condor. Heute ist Condor ganz regulär die Nachbarinsel Fuerteventura angeflogen. Ich hoffe, dass das Richtung Gran Canaria morgen genauso gut klappt. Beim Checken der Minibar habe ich festgestellt, dass auch mein kleiner Biervorrat reichen dürfte; sozusagen derzeit alles im Lot.
Aus der Heimat haben sich einige gute Freunde und Bekannte gemeldet, was mich sehr freut. Hallo Leute, ich bin bald wieder da! Und das war jetzt wirklich keine Drohung. Da es ansonsten keine nennenswerten weiteren Entwicklungen gibt, werde ich diesen Teil 9 jetzt um 15.43 Uhr Ortszeit am Dienstag, dem 17. März 2020 beenden. Inwiefern es morgen mit einer Fortsetzung klappt, werden wir sehen. Ich gebe mir Mühe.

Wie das #Coronavirus einen #Urlaub beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 8 —

Wie das #Coronavirus einen #Urlaub beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 8

Alles, aber auch wirklich alles, scheint sich binnen Wochenfrist verändert zu haben. Ich kann mich eigentlich kaum entsinnen, eine Woche ähnlicher Dynamik in meinem Leben schon erlebt zu haben.
Erst einmal stelle ich fest, dass die Anzahl der hier im Hotel wohnenden Menschen tatsächlich abzunehmen scheint. Deutlich merkt man das an den Quantitäten der Buffets; an der Qualität gibt es bisher keine Abstriche. Trotzdem tauchen immer mal wieder neue Gesichter auf. Aber wenn ich ehrlich bin, sehen die auch irgendwie ernüchtert aus. Im Restaurant ist jetzt übrigens so eingedeckt, dass zwischen jedem belegten Tisch jeweils ein Tisch freigehalten wird. So erreicht man einen Mindestabstand zwischen den Gästen (dass einige das direkt am Buffet nicht begreifen, begreife ich wiederum nicht).
An die Lautsprecherdurchsagen auf den Straßen – auf denen nach wie vor so gut wie keine Passanten zu sehen sind – hat man sich schon gewöhnt. Und man gewöhnt sich auch daran, dass man nichts versteht, nicht mal in den Durchsagen in englischer Sprache.
Wegen des Wegfalls der Nutzung des Pools steht die Animation jetzt vor der Aufgabe zu improvisieren. Am Vormittag gab es nämlich immer eine schöne „geführte“ Wassergymnastik. In Ermanglung des Wassers wurden auf der kleinen Bühne am Freisitzbereich des Restaurants Sportmatten ausgerollt. Die sind aber schon wieder weg – offensichtlich fehlendes Interesse. Dafür scheint in Summe die Stimmung gereizter zu werden. Ich werde innerhalb kurzer Zeit Zeuge folgender Gespräche. An der Rezeption beschwert sich ein deutsches Ehepaar offensichtlich über etwas; über was genau, habe ich nicht verstanden. Der gut Deutsch sprechende Hotelmanager versucht zu beruhigen und zu beschwichtigen. Als die Stimmung etwas angespannter wird, verweist er darauf, dass er ja auch nicht für das Virus könne. Das scheint das deutsche Ehepaar zu akzeptieren. Trotzdem findet das Gespräch in einer gefühlt angespannten Atmosphäre statt. Wenige Meter weiter im noch offenen Freisitz, angrenzend ans Restaurant: Ein Mann, ein großes Glas Bier vor sich, wird von einem anderen Mann angesprochen. Was genau er sagt oder fragt, kann ich nicht verstehen. Die Antwort des Mannes mit dem Bier und auf das Glas weisend: „Ja, was soll man denn sonst machen.“
Der Zimmerservice ist gerade durch; erstmals liegen Süßigkeiten auf dem Bett.
Vor dem Fahrstuhl lag heute früh ein Focus; eine Zeitschrift, in der ich sonst schon gerne mal blättere. Ich habe sie heute liegengelassen, wer weiß, wer die schon in der Hand hatte.
Die Aufzeichnung dieses Teils schließe ich um 11.25 Uhr Ortszeit am Dienstag dem 17. März 2020 ab. Eine Fortsetzung folgt.

Wie das #Virus einen #Urlaub beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 7 mit wichtigem #Update —

Wie das #Virus einen #Urlaub beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 7 mit wichtigem #Update

Moin, moin an Tag 3 meiner „Hotel-Isolation“ auf der wunderschönen Insel Gran Canaria. Damit bitte niemand ein falsches Bild bekommt: Die einzige Einschränkung, die ich hinnehmen muss ist die, das Hotel nicht verlassen zu dürfen. Ansonsten ist alles erlaubt, baden im Pool, Sonnenbraten… Auch für Essen und Trinken ist ausreichend gesorgt.
Uns plagt ja manchmal das Gefühl, die Zeit würde zu schnell vergehen und man könnte gar nicht alles schaffen, was man sich so für einen lieben langen Tag oder gar eine liebe lange Woche vornimmt. Ich erlebe hier gerade das genaue Gegenteil, denn irgendwie ist die Zeit wie angestemmt. Nun bin ich eben auch kein Typ, der es toll findet, stundenlang am Pool in der Sonne zu liegen. Da ziehe ich mir ausgedehnte Strandspaziergänge oder auch mal den Besuch einer Strandbar für ein kühles Bierchen vor. Und genau das fehlt mir eben in meiner ansonsten recht komfortablen derzeitigen Lage.
Zwar kann ich mich ja auch hier im Gelände bewegen und das Gelände ist bei weitem nicht gerade klein. Aber nehmen wir nur mal an, ich würde mir eine Runde um den großen Pool und angrenzende Bereiche zurechtlegen, länger als 300 Meter wäre die trotzdem nicht. Für diese Runde würde ich dann so um die drei Minuten brauchen, was bedeutete, dass ich alle drei Minuten an den gleichen Liegen vorbeikäme. Ich denke, das würde schon nach der dritten oder vierten Runde auffallen und jemand würde vielleicht die Security holen. Und das will ich ja nun schon mal gar nicht; ja nicht auffallen.
Nach einem Tag kennt man das Hotel dann übrigens auch im Wesentlichen. Viele neu auffindbare Ecken gibt es jetzt glaube ich nicht mehr und wo „Staff only“ dransteht, gehe ich lieber nicht rein, denn (siehe oben): ja nicht auffallen.
Beunruhigende Mails mit Informationen, dass Flüge nach Haus nicht stattfinden, sind auch keine gekommen, was mich froh stimmt. Und auf der Homepage des Flughafens Leipzig-Halle ist mein für morgen geplanter Condor-Flug auch immer noch im Status „geplant“. Das sieht übrigens bei vielen anderen bis vor Kurzem noch geplanten Flügen gar nicht so gut aus.
Wie drastisch und schnell sich die Lage ändern kann, bringt folgendes Update zum Ausdruck. Der oben geschriebene Text stimmt nur noch zum Teil. Nach dem Frühstück nämlich blicke ich vom Balkon und stelle mit Entsetzten fest, dass an den Pools sämtliche Liegen aufgestapelt werden (siehe Bild). Die Zugänge zu den Bereichen für das Sonnenbad sind teilweise mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Ich natürlich sofort zur Rezeption, wo schon ein neuer Infozettel auf mich wartet (diesmal auch in Deutsch): Aus Sicherheitsgründen und um die Ausbreitung des Virus einzudämmen wird die Nutzung von Pools verboten. Jetzt bin ich mal ernsthaft gespannt, zu welchen Reaktionen das führen wird. Zeit, es zu beobachten, habe ich ja genug.
Diesen Teil 7 des Tatsachenberichtes schließe ich am Dienstag, dem 17. März 2020 um 8.54 Uhr Ortszeit. Eine Fortsetzung ist geplant.

Wie das #Coronavirus sich auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 6 — 16. März 2020

Wie das #Coronavirus sich auf den #Urlaub auswirken kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 6

„Im Westen nichts Neues“ könnte ich in Anlehnung an einen bekannten Romantitel vermelden. Und das halte ich schon mal für eine gute Nachricht.
Eigentlich bin ich ja alles andere als ein Freund von diesem „Ständig-aufs-Handy-schauen-müssen“; eigentlich. Hier kann man sich das nämlich ganz schön angewöhnen. Und dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens ist es total schön, mit Bekannten und Freunden aus der Heimat zu telefonieren; das verbindet und schafft ein Gefühl von Geborgenheit, wobei ich mich hier ja momentan nicht total ausgesetzt fühle. Und man will natürlich keinen Anruf verpassen. Zweitens hat man die Möglichkeit, auch ein paar offizielle Mitteilungen – zum Beispiel die des Auswärtigen Amtes – zu lesen. Unser Außenminister empfiehlt, keine weiteren Auslandsreisen anzutreten. Na da rennt er bei mir offene Türen ein. Aber ich hätte natürlich auch nicht gedacht, dass die ganze Situation innerhalb einer Woche solchen Drive aufnimmt. Und drittens soll man immer schauen, ob der Reiseveranstalter, bei dem man gebucht hat, wichtige Updates zu vermelden hat. Hat er nicht. Finde ich schon mal gut.
Apropos Handy: Heute Abend zum Beispiel findet eine Telefonkonferenz des Präsidiums des Bundesverbandes der Kommunikatoren statt, in dem ich Mitglied bin. Dank moderner Technik ist das also gar kein Problem, hier von Spanien aus sich in eine Konferenz von vielleicht zwölf oder dreizehn Teilnehmern einzuwählen. Man sollte vorsichtig sein, die moderne Technik pauschal zu verdammen.
Das Flugblatt zum Königlichen Dekret (ich habe mich jetzt zu der Schreibweise mit großem Königlich durchgerungen) liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor. Na mittlerweile habe ich den Inhalt ja auch aus der englischen Version ganz gut übersetzen können. In dem Zusammenhang mache ich eine weitere (gefühlte?) Feststellung. Nach meinem Dafürhalten reisen mehr Gäste ab, als ankommen. Ganz ehrlich gesagt, habe ich eigentlich in den vergangenen Tagen niemanden mehr an der Rezeption einchecken sehen…
Und nun noch einmal zu möglichen Macken. An der Poolbar im neunten Geschoss (Aussichtsterrasse) lagen Streichholzschachteln zum Mitnehmen herum. Ich hatte schon fast zugegriffen, als ich das dann doch zu peinlich fand; was soll ich denn mit den Streichhölzern? Das Virus wird doch hoffentlich von der hiesigen Stromversorgung ablassen!
Dann war ich noch einmal an der Poolbar, die ebenerdig zu finden ist. Da ich ja (wenn keine Ausgangssperre verhängt wird) eher selten im Hotel zu finden bin, habe ich unter den jetzigen Bedingungen wieder etwas Neues gelernt. Es fand nämlich ein Spiel mit dem schönen Namen Bingo statt. Eine junge Frau gab Zettel für diejenigen aus, die mitspielen wollten (ich war nicht dabei) und dann zog sie aus einem Gerät, welches der Lottoziehungsmaschine aus dem TV zum Verwechseln ähnelte, Kugeln mit Nummern, die sie dann lautstark per Mikrofon in Spanisch, Englisch und Deutsch bekanntgab. Ich bin dann mal lieber gegangen, denn mir war das alles ein wenig zu laut aber ich gelobe, mich spätestens zu Hause mal mit den Spielregeln auseinanderzusetzen.
Die Aufzeichnung dieses Beitrags endet um 15.53 Uhr Ortszeit am Montag, dem 16. März 2020. Eine Fortsetzung folgt.

Wie das #Coronavirus eine #Urlaubsreise beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 5 —

Wie das #Coronavirus eine #Urlaubsreise beeinflussen kann – ein #Tatsachenbericht – Teil 5

Zu dem Bild oben kommen wir weiter unten; nur damit keiner auf die Idee kommt, ich würde jetzt schon keine Fotomotive finden, wegen „Lagerkoller“…
Da ich einen guten Ausblick von meinem Balkon in der sechsten Etage und darüber hinaus offensichtlich Zeit im Überfluss habe, beobachte ich immer wieder einmal, ob man die Auswirkungen des Ausgangsverbotes tatsächlich sehen kann. Wenn mich mein Gefühl nicht trügt, ist auf den Straßen in dem kleinen Urlauberort hier deutlich weniger los, als noch vor drei Tagen. Mein Blick reicht unter anderem bis zu einem etwas abgewirtschafteten Einkaufszentrum, vor dem sich ein Zebrastreifen befindet. Jetzt wechselt nur noch ganz selten dort jemand die Straßenseite; vor kurzem noch verstellten die wegen Fußgängern wartenden Autos regelmäßig die in der Nähe befindlichen Kreuzungen. Ganz unzweifelhaft scheinen sich also auch die Einheimischen an das Dekret zu halten. Stopp und aufgemerkt! Wieso ist mir eigentlich für einen kurzen Moment der Gedanke in den Kopf gekommen, Spanier würden Dekrete nicht so ernst nehmen, wie zum Beispiel wir? Vielleicht ist eine heilsame Lehre aus diesem doch schon recht interessanten Aufenthalt (ich will es political correct ausdrücken), dass man seine Klischees ablegen sollte; und zwar dauerhaft.
Gerade jetzt denke ich im Übrigen besonders intensiv auch an meine Ex-Kolleginnen und Kollegen von der CVAG. Wenn jemand weiß, wie intensiv jetzt dort an Notfallszenarien gearbeitet wird, dann bin mit Sicherheit ich das. Ich drücke euch die Daumen, Kolleginnen und Kollegen. Und aus meiner aktiven Zeit weiß ich ja noch: In komplizierten Situationen haben wir uns häufig zu Höchstleistungen aufgeschwungen. Das werdet ihr auch diesmal. Davon bin ich überzeugt!
Die viele Zeit schafft mir Gelegenheit, ausreichend zu lesen. Ich lese hier unter anderem noch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom Sonntag, dem 8. März. Was Corona betrifft, ist das natürlich alles überholt aber total gute Literaturempfehlungen habe ich gefunden. Auf meine Leseliste, wenn ich wieder zu Hause bin, wird also kommen:

  1. „Die rechtschaffenden Mörder“, der neue Roman von Ingo Schulze. Aus der FAS-Rezension zitiere ich gern den folgenden Satz: „Sein neuer Roman ist eine Programmschrift gegen den kontextlosen Ästhetizismus. In jedem Teil lockt er uns aufs Neue in die Falle, um uns vor Augen zu führen, wie leichtgläubig wir sein können, wenn uns der Kontext entgeht.“ Ich glaube, 21 gut investierte Euronen.
  2. Antonio Scurati (kenne ich bisher nicht) hat den Roman „M. – Der Sohn des Jahrhunderts“ geschrieben. Bei M. handelt es sich um Benito Mussolini und die Rezension verspricht, dass sich auf den 830 Seiten ein großer Zugewinn an Wissen einstellen wird. Gebongt!
  3. Auf der Bernhardstraße in Chemnitz beobachten wir permanent einen (oder zwei) Füchse, die sich ganz offensichtlich gut ins Stadtleben integriert haben. Von Katrin Schumacher und Adele Brand gibt es zum Thema „Stadtfüchse“ neue Bücher. Ich werde mal eine Marktforschung anstellen, wenn ich wieder zu Hause bin. (Und zu dem Absatz passt nun auch das Bild.)
    Ansonsten bekomme ich immer mal einen Anruf aus der Heimat; das tut gut, danke!
    Ich schließe diesen fünften Beitrag am 16. März 2020 um 12.20 Uhr Ortszeit ab. Fortsetzungen sind geplant.
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